31.07.2024, 07.51
Trittst im Morgenrot daher,
Seh’ ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet,
Betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
In regelmässigen Abständen wird die Schweizer Nationalhymne in Frage gestellt. Die Kritik: Der religiöse Text sei nicht zeitgemäss und der Name Gottes habe in einer Nationalhymne nichts zu suchen.
Entstanden ist der Schweizerpsalm in der Zeit der Klosteraufhebungen. Da besetzten im Jahr 1841 bewaffnete Truppen des Kantons Aargau das Zisterzienserkloster Wettingen. Die Mönche wurden enteignet und vertrieben. In der Folge zog der Zisterzienserpater Alberik Zwyssig zu seinem Bruder ins Zugerland. Bald darauf bat ihn ein früherer Freund, Leonhard Widmer, einen von ihm verfassten Liedtext zu vertonen. Im Text wurden die Schweizerinnen und Schweizer eingeladen, Gott – und nicht sich selber oder persönliche Ansichten – als höchstes Mass anzuerkennen. Zumal Widmer trotz seiner liberalen Gesinnung unter dem Unfrieden im Land litt.
Damals ahnte keiner der beiden Autoren, dass der Schweizerpsalm 1961 vom Bundesrat zur provisorischen Nationalhymne erkoren werden würde. Grund: Die Menschen hierzulande wollten die Melodie der alten Hymne nicht mehr mit England und Lichtenstein teilen. Weitere zwanzig Jahre später erhielt die Nationalhymne die definitive Anerkennung. Tatsächlich tönt der Text des Schweizerpsalms in heutigen Ohren ziemlich pathetisch. Die Melodie ebenso. Trotzdem ist der Schweizerpsalm Teil der Schweizer Kultur. Ebenso das im Text offensichtliche christliche Erbe. Die Aneignung fremder Kulturelemente mag oftmals problematisch sein . Die Ablehnung der eigenen Kultur und Wurzeln jedoch auch.
Christof Arnold